Oberflächengewässerverordnung (OGewV)
Verordnung zum Schutz der Oberflächengewässer

Ausfertigungsdatum: 20.06.2016


Anlage 1 OGewV

(Fundstelle: BGBl. I 2016,1379 - 1381)



Die Oberflächenwasserkörper innerhalb einer Flussgebietseinheit sind nach Maßgabe der Nummer 1 in Kategorien einzuteilen und ihre Lage und Grenzen sind festzulegen. Sie sind in jeder Kategorie nach Maßgabe der Nummer 2 nach Typen zu unterscheiden. Die Oberflächenwasserkörper, die für eine Einstufung als künstlich oder erheblich verändert in Betracht kommen, sind den Typen jener Gewässerkategorie zuzuordnen, der sie am ähnlichsten sind. Für jeden Gewässertyp sind nach Maßgabe der Nummer 3 die typspezifischen Referenzbedingungen festzulegen, die dem sehr guten ökologischen Zustand entsprechen. Das höchste ökologische Potenzial ist aus den Referenzbedingungen des Gewässertyps abzuleiten, dem der künstliche oder erheblich veränderte Oberflächenwasserkörper am ähnlichsten ist.

1.
Kategorien von OberflächengewässernDie Oberflächengewässer sind in folgende Kategorien einzuteilen:
1.1
Flüsse
1.2
Seen
1.3
Übergangsgewässer
1.4
Küstengewässer
a)
nach § 7 Absatz 5 Satz 2 des Wasserhaushaltsgesetzes, soweit der ökologische Zustand einzustufen ist
b)
nach § 3 Nummer 2 des Wasserhaushaltsgesetzes, soweit der chemische Zustand einzustufen ist
2.
Typen von Oberflächengewässern
2.1
Fließgewässer (mit einem Einzugsgebiet von 10 Quadratkilometern oder größer)Die nachfolgenden Größenangaben werden als Größen der Einzugsgebiete der jeweiligen Gewässer angegeben. Die Angaben dienen der Orientierung:
a)
klein (10 bis 100 Quadratkilometer)
b)
mittelgroß (größer als 100 bis 1 000 Quadratkilometer)
c)
groß (größer als 1 000 bis 10 000 Quadratkilometer)
d)
sehr groß (größer als 10 000 Quadratkilometer)
Ökoregion 4: Alpen, Höhe über 800 MeterTyp 1Fließgewässer der AlpenSubtyp 1.1Bäche der KalkalpenSubtyp 1.2Kleine Flüsse der KalkalpenÖkoregionen 8 und 9: Mittelgebirge und Alpenvorland, Höhe 200 bis 800 MeterTyp 2Fließgewässer des AlpenvorlandesSubtyp 2.1Bäche des AlpenvorlandesSubtyp 2.2Kleine Flüsse des AlpenvorlandesTyp 3Fließgewässer der Jungmoräne des AlpenvorlandesSubtyp 3.1Bäche der Jungmoräne des AlpenvorlandesSubtyp 3.2Kleine Flüsse der Jungmoräne des AlpenvorlandesTyp 4Große Flüsse des AlpenvorlandesTyp 5Grobmaterialreiche silikatische MittelgebirgsbächeTyp 5.1Feinmaterialreiche silikatische MittelgebirgsbächeSubtyp 5.2(PHYLIB) Feinmaterialreiche silikatische Mittelgebirgsbäche in VulkangebietenTyp 6Feinmaterialreiche karbonatische MittelgebirgsbächeSubtyp 6 KFeinmaterialreiche karbonatische Mittelgebirgsbäche (Keuper)Typ 7Grobmaterialreiche karbonatische MittelgebirgsbächeTyp 9Silikatische fein- bis grobmaterialreiche MittelgebirgsflüsseTyp 9.1Karbonatische fein- bis grobmaterialreiche MittelgebirgsflüsseSubtyp 9.1 KKarbonatische fein- bis grobmaterialreiche Mittelgebirgsflüsse (Keuper)Typ 9.2Große Flüsse des MittelgebirgesTyp 10Kiesgeprägte StrömeÖkoregionen 13 und 14: Norddeutsches Tiefland, Höhe unter 200 MeterTyp 14Sandgeprägte TieflandbächeTyp 15Sand- und lehmgeprägte TieflandflüsseTyp 15 gGroße sand- und lehmgeprägte TieflandflüsseTyp 16Kiesgeprägte TieflandbächeTyp 17Kiesgeprägte TieflandflüsseTyp 18Lösslehmgeprägte TieflandbächeTyp 20Sandgeprägte StrömeTyp 22MarschengewässerSubtyp 22.1Kleine und mittelgroße Gewässer der MarschenSubtyp 22.2Große Gewässer der Marschen (meist mit Einzugsgebieten innerhalb der Geestgebiete des Norddeutschen Tieflandes)Subtyp 22.3Ströme der Marschen (Unterläufe von Elbe und Weser oberhalb der Übergangsgewässer)Typ 23Rückstau- bzw. brackwasserbeeinflusste OstseezuflüsseÖkoregionunabhängige TypenTyp 11Organisch geprägte BächeTyp 12Organisch geprägte FlüsseTyp 19Kleine Niederungsfließgewässer in Fluss- und StromtälernTyp 21Seeausflussgeprägte FließgewässerSubtyp 21 NSeeausflussgeprägte Fließgewässer des Norddeutschen Tieflandes (Nord)Subtyp 21 SSeeausflussgeprägte Fließgewässer des Alpenvorlandes (Süd)
2.2
Seen (mit einer Oberfläche von 0,5 Quadratkilometern oder größer)Ökoregionen 4 und 9: Alpen und AlpenvorlandTyp 1: Polymiktischer AlpenvorlandseeTyp 2: Geschichteter Alpenvorlandsee mit relativ großem EinzugsgebietTyp 3: Geschichteter Alpenvorlandsee mit relativ kleinem EinzugsgebietTyp 4: Geschichteter AlpenseeÖkoregionen 8 und 9: MittelgebirgeTyp 5: Geschichteter kalziumreicher Mittelgebirgssee mit relativ großem EinzugsgebietTyp 6: Polymiktischer kalziumreicher MittelgebirgsseeTyp 7: Geschichteter kalziumreicher Mittelgebirgssee mit relativ kleinem EinzugsgebietTyp 8: Geschichteter kalziumarmer Mittelgebirgssee mit relativ großem EinzugsgebietTyp 9: Geschichteter kalziumarmer Mittelgebirgssee mit relativ kleinem EinzugsgebietÖkoregionen 13 und 14: Norddeutsches TieflandTyp 10: Geschichteter Tieflandsee mit relativ großem EinzugsgebietTyp 11: Polymiktischer Tieflandsee mit relativ großem EinzugsgebietTyp 12: Flusssee im TieflandTyp 13: Geschichteter Tieflandsee mit relativ kleinem EinzugsgebietTyp 14: Polymiktischer Tieflandsee mit relativ kleinem EinzugsgebietSondertypen (alle Ökoregionen)Typ 88: Sondertyp natürlicher See (z. B. Moorsee, Strandsee, Altarm oder Altwasser)Typ 99: Sondertyp künstlicher See (z. B. Abgrabungssee)
2.3
Übergangsgewässer (Ästuare mit einem Einzugsgebiet von 10 Quadratkilometern oder größer)Typ T1: Übergangsgewässer Elbe-Weser-EmsTyp T2: Übergangsgewässer Eider
2.4
KüstengewässerTypen der Küstengewässer der NordseeTyp N1: euhalines offenes KüstengewässerTyp N2: euhalines WattenmeerTyp N3: polyhalines offenes KüstengewässerTyp N4: polyhalines WattenmeerTyp N5: euhalines felsgeprägtes Küstengewässer um HelgolandTypen der Küstengewässer der OstseeTyp B1: oligohalines inneres KüstengewässerSubtyp B1a: Salzgehalt 0,5 – 3 PSUSubtyp B1b: Salzgehalt 3 – 5 PSUTyp B2: mesohalines inneres KüstengewässerSubtyp B2a: Salzgehalt 5 – 10 PSUSubtyp B2b: Salzgehalt 10 – 18 PSUTyp B3: mesohalines offenes KüstengewässerSubtyp B3a: Salzgehalt 5 – 10 PSUSubtyp B3b: Salzgehalt 10 – 18 PSUTyp B4: meso-polyhalines offenes Küstengewässer, saisonal geschichtet (Salzgehalt 10 – 30 PSU)
3.
Festlegung von Referenzbedingungen für Typen von Oberflächenwasserkörpern
3.1
Für jeden Typ von Oberflächenwasserkörpern nach Nummer 2 sind typspezifische hydromorphologische und physikalisch-chemische Bedingungen festzulegen, die denjenigen hydromorphologischen und physikalisch-chemischen Qualitätskomponenten entsprechen, die in Anlage 3 Nummer 2 und 3 für diesen Typ von Oberflächenwasserkörper für den sehr guten ökologischen Zustand gemäß der entsprechenden Tabelle in Anlage 4 angegeben sind. Außerdem sind typspezifische biologische Referenzbedingungen festzulegen, die die biologischen Qualitätskomponenten abbilden, die in Anlage 3 Nummer 1 für diesen Typ von Oberflächenwasserkörper bei sehr gutem ökologischen Zustand gemäß der entsprechenden Tabelle in Anlage 4 angegeben sind.
3.2
Werden die in diesem Abschnitt beschriebenen Verfahren auf künstliche oder erheblich veränderte Oberflächenwasserkörper angewendet, sind Bezugnahmen auf den sehr guten ökologischen Zustand als Bezugnahmen auf das höchste ökologische Potenzial gemäß Anlage 4 Tabelle 6 zu verstehen. Die Werte für das höchste ökologische Potenzial eines Oberflächenwasserkörpers sind alle sechs Jahre zu überprüfen.
3.3
Die typspezifischen Referenzbedingungen nach den Nummern 3.1 und 3.2 sollen entweder raumbezogen oder modellbasiert sein oder durch Kombination beider Verfahren abgeleitet werden. Bei der Definition des sehr guten ökologischen Zustands im Hinblick auf die Konzentration bestimmter synthetischer Schadstoffe gelten als Nachweisgrenze die Werte, die mit den besten Techniken ermittelt werden können, die zum Zeitpunkt der Festlegung der Referenzbedingungen verfügbar sind.
3.4
Für raumbezogene typspezifische biologische Referenzbedingungen ist ein Bezugsnetz für jeden Typ von Oberflächenwasserkörper zu entwickeln. Das Netz muss eine ausreichende Anzahl von Stellen mit sehr gutem Zustand umfassen.
3.5
Modellbasierte typspezifische biologische Referenzbedingungen können entweder aus Vorhersagemodellen oder durch Rückberechnungsverfahren abgeleitet werden. Für die Verfahren sind historische, paläologische und andere verfügbare Daten zu verwenden. Die Werte für die Referenzbedingungen müssen hinreichend zuverlässig sein.
3.6
Ist es auf Grund eines hohen Maßes an natürlicher Veränderlichkeit einer Qualitätskomponente nicht möglich, zuverlässige typspezifische Referenzbedingungen für diese Komponente eines Oberflächenwasserkörpers festzulegen, kann diese Komponente von der Beurteilung des ökologischen Zustands dieses Typs von Oberflächengewässer ausgenommen werden. In diesem Fall sind die Gründe hierfür im Bewirtschaftungsplan für die Einzugsgebiete anzugeben.

Ein See wird als geschichtet eingeordnet, wenn die thermische Schichtung an der tiefsten Stelle des Sees über mindestens drei Monate stabil bleibt.PSU (Practical Salinity Units) ist die Maßeinheit für die Salinität.